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  • 07 – Die Waage, Neurodermitis, IKEA und ich. | \O/

    Moin!

    Es ist gerade mitten in der Nacht und ich bin wach.

    Geweckt durch meinen Großen.

    Er hat momentan so schlimme Neurodermitis, dass wir selbst mit Kortisoncremes nicht weiterkommen.

    Heute Nacht hatte er sich so aufgekratzt, dass er vor Schmerzen aufgewacht ist.

    Am Wochenende habe ich einen Stoff für Neurodermitispatienten gekauft.

    Dieser Stoff enthält einen Silberanteil und soll angenehm auf der Haut sein.

    Da ich für größere Kinder keine Overalls oder Pullover mit angenähten Handschuhen gefunden habe, fügte sich wieder das Schicksal.

    Meine Schwägerin näht Kleidung für Kleinkinder und Babys und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

    Als ich ihr vom Leid des Großen berichtete, bot sie an, dass sie so ein Oberteil mit Handschuhen nähen könnte.

    Dankend nahm ich an.

    Ich habe zwar selber eine Nähmaschine, aber ich bin eher ungeschickt in solchen Dingen.

    Trotzdem steht es auf meiner To-do-Liste, dass ich mich irgendwann aufraffe und versuche zu nähen.

    Hoffentlich bekommt sie es hin und ich habe bald einen Pullover für den Großen, der ihn vom Kratzen abhält.

    Ja, und eigentlich bin ich eher davon ausgegangen, dass ich heute Nacht wach bin, weil mich der Kleine auf Trab hält.

    Denn der hatte gestern ganz große Probleme mit seinen Zähnchen und bekam vor dem Schlafengehen einen Schmerzsaft.

    Keine Minute zu früh, denn kurz nach der Saftgabe ging es richtig los und er robbte vor Schmerzen durch das Bett, bevor der Saft endlich wirkte und er einschlafen konnte.

    Fünf Stunden hat er sogar am Stück geschafft und ist nach dem Stillen wieder fix eingeschlafen.

    Ich sitze hier jetzt noch und warte die Lage ab, denn es kann gut sein, dass der Große gleich wieder vor mir steht.

    Abwarten.

    Am Dienstag hatte ich ja wie immer meinen Wiegetag.

    Die Waage war alles andere als gnädig und zeigte eine Zunahme von 500 g.

    Klasse!

    Natürlich passierte, was immer passiert.

    Meine drei Freunde – Selbsthass, Wut und der Gedanke, alles hinzuwerfen – waren sofort wieder da.

    Klar wisst ihr, was ich am nächsten Tag getan habe.

    Richtig!

    Ich stand natürlich wieder auf der Waage.

    Doch siehe da.

    Was war das?

    Das Einstellgewicht war zu viel und ich musste den Regler verschieben.

    Allerdings nicht in die negative „Ich-habe-noch-mehr-zugenommen“-Richtung, sondern in die „weniger-Gewicht“-Richtung.

    Ich hatte tatsächlich abgenommen und das, obwohl ich mich kaum an meine Punkte gehalten habe.

    Allen Anschein nach muss es aber im Rahmen gewesen sein.

    Um das Ganze noch perfekt zu machen, durfte ich an diesem Tag zu IKEA.

    Achtung!

    Ich wedel gerade mit einem Sarkasmus-Schild herum.

    Ich hasse shoppen gehen und ich hasse IKEA.

    Meine zwei Söhne nahm ich mit.

    Mein Mann wollte nicht, wie immer.

    Dort angekommen waren natürlich alle Eltern-Kind-Parkplätze besetzt.

    Zum Glück kann der Kleine schon im Einkaufswagen sitzen.

    So nahmen wir ihn aus dem Maxi-Cosi und setzten ihn in einen Einkaufswagen, der praktischerweise in der Nähe unseres ganz-weit-vom-Eingang-weg parkenden Autos stand.

    Natürlich musste ich so parken, dass wir den Kleinen ohne großen Aufwand aus dem Auto raus und anschließend wieder rein bekamen.

    Im IKEA stellte ich meinem Großen eine fatale Frage.

    Ich wollte von ihm wissen, ob er einmal ganz durch den Markt gehen möchte oder ob wir abkürzen wollen.

    Er wollte einmal komplett durchgehen.

    Ich spürte schon, wie sich mein Magen zusammenzog.

    Okay, Schatz. Einmal durch.

    Schon am Anfang fühlte ich, dass Aggression in mir zu lodern begann.

    Viele Menschen, die unfassbar langsam vor uns herschlenderten.

    Je weiter wir vorankamen, umso schlimmer wurde es.

    Der Höhepunkt war in der Geschirrabteilung erreicht.

    Leute standen quer im Gang mit ihren Wagen, nirgendwo kam man richtig durch.

    Dazu noch diese Hitze.

    Wieso müssen alle Märkte immer ihre Heizungen auf atomheiß stellen?

    Grausig.

    Nein, da sitze ich lieber vorm PC mit einem Becher Kaffee und gehe online shoppen.

    Leider muss man bei IKEA aber einen „geht-ja-gar-nicht“-Betrag für Lieferungen zahlen und ich komme nicht drum herum, selber in den Markt gehen zu müssen.

    Die Möbel sind zwar fast durchweg minderwertig – bis auf die Vollholzsachen –, doch der Preis für Geschirr ist super und ich brauche immer viel Geschirr.

    In der Aufbewahrungsabteilung dachte ich auch noch kurz daran, ein paar Boxen mitzunehmen, doch da ich eine Box einen Tag zuvor gekauft hatte, tat ich es nicht.

    Die Box war übrigens fast identisch mit den Boxen bei REAL, nur dass ich bei REAL fast das Doppelte dafür zahlte.

    Grml.

    Aber nun weiß ich Bescheid.

    Als wir dann endlich wieder raus waren, fuhren wir direkt heim.

    Zuhause fragte mich mein Mann dann eine Stunde später, ob wir nicht noch Boxen für den Kleinen kaufen könnten, um sein Spielzeug darin zu lagern.

    Klar.

    Gut, dass ich gerade bei IKEA war.

    Nun, offensichtlich fahre ich diese Woche nochmal dorthin.

    Yeah!

    Ich freue mich.

    Achtung!

    Ich habe noch immer mein Schild.

    Ich erzähle euch dann, wie es war … sollte ich wirklich fahren.

    Ach, und natürlich wollte mein Mann Köttbullar haben.

    Doch keine gekauften.

    Gut, dass ich einen Tag vorher schon Mettbällchen für Köttbullar vorgefertigt hatte.

    Als ob ich es geahnt hätte.

    Lecker war es.

    Meine Männer bekamen Nudeln dazu und ich Kartoffeln.

    Während ich euch schreibe, ist es mittlerweile 2:43 Uhr.

    Jetzt bin ich fast drei Stunden auf und das Baby weinte eben auch nochmal.

    Im Lichtschein sah ich, dass seine Wangen rot werden.

    Also feuerwehrrot.

    Ich habe mir jetzt einen Kaffee geholt.

    Denn schlafen kann ich heute sicher nicht mehr.

    Euch wünsche ich aber eine gute und erholsame Nacht.


    Reflexion:

    Ja, ich weiß gar nicht, ob ich weinen oder lachen soll.

    Lachen, weil ich bei der Beschreibung von mir denke:

    Du beschreibst da gerade deine eigene Neurodiversität.

    Allerdings habe ich mich nicht testen lassen.

    Ich werde zwar von Professoren und Kinderpsychiatern darauf angesprochen, aber ich sehe gerade keine Notwendigkeit, mich selbst testen zu lassen.

    Außer zig Termine, die mich stressen werden, sehe ich keinen Nutzen für mich darin.

    Weinen, weil ich am Limit war.

    Ich trotzdem irgendwie funktioniert habe und ganz offensichtlich in keinster Weise Unterstützung hatte.

    Nennt man das verheiratet alleinerziehend?

  • 03 – Der Wahnsinn geht in die nächste Runde. | \o/

    …und noch ein fast 10 Jahre alter Beitrag. Das wird wohl noch eine Weile so weitergehen, ich war damals ja einigermaßen fleißig.

    Zum Abschluss dann wieder meine Reflexion zu diesem Beitrag.


    Moin!

    Momentan habe ich eigentlich auch genug zu tun mit meinem Baby und mit meinem Großen.

    Doch ich bin einer dieser Menschen, die schlecht „Nein“ sagen können und zu hilfsbereit sind.

    Nun ja, also habe ich mir Arbeit aufgehalst.

    Ich richte gerade eine neue Social-Media-Plattform für ein Café ein.

    Wäre an sich keine allzu große Arbeit, wenn es vernünftige Bilder gäbe.

    Gibt es aber nicht und ich versuche mit Photoshop zu retten, was zu retten ist.

    Natürlich ist das ein erheblicher Zeitaufwand und das Pflegen der Seite, um Follower zu bekommen, ebenfalls.

    Aber ich habe schon gesagt, dass ich es am Wochenende an den eigentlichen Besitzer abgeben werde.

    Weiter machen würde ich das wirklich nur gegen Bezahlung.

    Aber weil die Besitzer des Cafés so nett sind, habe ich es jetzt halt so gemacht.

    Mein Mann war weniger begeistert, da ich schon noch einige andere Sachen zu erledigen habe.

    Dazu kommen noch unsere Bienen.

    Die machen uns auch gerade Sorgen, denn es wird einfach nicht warm genug und das Futter ist schon sehr knapp.

    Nun bange ich jeden Tag, ob sie dieses Wetter überleben.

    Gestern war es ja ein wenig wärmer und sie kamen zum Reinigungsflug aus ihrem Stock.

    Das sah erst mal okay aus, aber darauf mag ich mich noch nicht verlassen.

    Jetzt heißt es erst mal abwarten.

    Dann kommen wir zu meinem Großen.

    Da er ja ein „Problemkind“ ist und dann noch das Thema „hochbegabt“ in den Raum geworfen wurde, waren mein Mann und ich diesmal gemeinsam mit ihm beim Psychiater zum Kontrolltermin.

    Die Psychiaterin war auch erst mal zurückhaltend und empfahl weitere Tests.

    Das heißt für uns: noch einmal IQ, Mathematik und Deutsch testen zu lassen.

    Dies findet Anfang April statt und das Ergebnis wird Ende Mai besprochen.

    Derweil bin ich jetzt ständig in Kontakt mit seinen Lehrern und es ist wirklich anstrengend.

    Die Lehrer kommen einfach nicht an ihn ran und wir auch nur mit mäßigem Erfolg.

    Er blockt ab, antwortet nicht und verlässt unangenehme Situationen.

    Zu seinem Sport mag er auch nicht mehr gehen und seine Gedanken kreisen fast ausschließlich um das Thema Geburtstag, welcher jetzt im März ansteht.

    Am heutigen Gesprächstag mit einer seiner Lehrerinnen warf diese etwas in den Raum, worüber ich auch schon nachgedacht habe.

    Sie vermutet nämlich, dass mein Großer eine Variante des Autismus haben könnte.

    Denn sie hatte schon einmal ein Kind wie meines und bei diesem Kind wurde Asperger diagnostiziert.

    Das vermute ich auch schon eine Weile, traute mich aber nicht, diesen Gedanken auszusprechen.

    Ich rief also heute nach diesem Gespräch bei unserer Psychiaterin an und fragte nach einer Untersuchung diesbezüglich.

    Der Termin dafür ist Anfang Mai.

    Ja, es sind wieder viele Tests für den Großen, aber in seinem Fall geht es nicht anders.

    Wir sind an unsere Grenzen gestoßen und brauchen endlich eine gültige Antwort.

    Die Psychiaterin hat zudem angeraten, unbedingt eine Verhaltenstherapie zu machen, sonst könnte sein Verhalten irgendwann solche Ausmaße annehmen, dass es stationär behandelt werden muss.

    Das wollen wir natürlich nicht.

    Also rief ich den Verhaltenstherapeuten an und hatte Glück.

    Jemand hat die Therapie abgebrochen und wir konnten gleich reinrutschen.

    Der erste Termin ist am Dienstag nächste Woche.

    Natürlich werde ich ihn auch gleich auf das Thema Asperger ansprechen, denn ich denke, dass er da auch Erfahrung hat.

    Wir werden sehen, wie es weitergeht.


    Reflexion:

    Puh, jetzt muss ich mir selbst direkt in die Augen sehen.

    Ich glaube – nein, ich bin mir ziemlich sicher –, dass mein Ex damals nicht mit bei der Psychiaterin war.

    Denn er wusste nicht einmal, in welcher Praxis wir waren.

    Zudem hatte er die Diagnosen immer abgelehnt und mir vorgeworfen, dass ich mir diese durch Intimität erschlichen habe.

    Ich gehe mal davon aus, dass ich mich einfach geschämt habe, immer zu sagen, dass ich alles alleine stemmen muss, obwohl ich einen Mann habe.

    Entschuldigt bitte.

    Die Aushilfe für die erkrankte Lehrerin war allerdings der rettende Engel.

    Wäre sie nicht gewesen, wäre wahrscheinlich keine gezielte Testung erfolgt.

  • 02 – Es ist echt schwer…| \o/

    Auch hier handelt es sich wieder um einen fast 10 Jahre alten Beitrag. Ich äußere mich wie beim letzten Mal am Ende wieder in einer Reflexion.


    Hallo  ihr Lieben!

    Der Wirbel um den Großen ist wirklich gerade enorm.

    Nicht nur, dass er u. a. Neurodermitis hat und gerade an Kopf, Hals und Armen weggammelt, um es nett auszudrücken. Nein, es gibt mal wieder Stress mit der Schule.

    Es ist so, dass mein Großer zum „Problemkind“ wurde, als ich wieder anfing, Vollzeit zu arbeiten.

    Das war kein Wunsch von mir, sondern von meinem Mann wegen der ökonomischen Situation.

    Also ging das Kind mit 2,5 Jahren in die Obhut meiner Schwiegermutter. Gut aufgehoben, dachte ich.

    Mein Großer kam dann mit 3 Jahren in einen Kindergarten, der nachmittags noch einen Platz frei hatte. Ab da nahm das Übel seinen Lauf.

    Er wollte nichts mehr essen. Am liebsten nur Pommes, aber das kam bei mir gar nicht infrage.

    Was ich später durch Zufall erfahren habe, war, dass Oma eine Fünf-Tage-die-Woche-Pommeskur durchgeführt hatte.

    Vom Kindergarten wurde ich irgendwann angerufen, ob mein Kind etwas mit den Ohren hätte, er könne nur drei Wörter sprechen.

    Wie bitte?

    Ich verstand das nicht.

    Durch eine günstige Wendung bekam ich dann eine Anfrage meines ehemaligen Chefs, ob ich wieder für ihn arbeiten möchte.

    Dankend nahm ich das Angebot an, da es günstiger lag, es mir dort viel besser gefiel und ich weniger Stunden hatte.

    So kam mein Großer dann in den nächsten Kindergarten bei uns in der Nähe, dafür aber ganztags.

    Es schien auch erst mal alles in Ordnung zu sein und das mit dem Sprechen und Hören war erst mal vom Tisch, da es zuhause keine Auffälligkeiten gab.

    Doch kurz vor dem Wechsel zur Grundschule wurde ich in den Kindergarten zitiert.

    Dort erfuhr ich, dass mein Großer ein „Problemkind“ sei.

    Er würde bei nichts mitmachen, nicht hören und aggressiv werden.

    Die Erzieherin ging sogar so weit, uns zu unterstellen, dass wir häusliche Probleme hätten und mein Mann mich schlagen würde.

    Streits? Ja, die hat ja jeder mal.

    Aber zusammengeschlagen wurde ich bis dahin nicht.

    Dies führte zu einem Gruppengespräch mit einem Psychologen, der feststellte, dass unser Großer zwar ein paar Probleme hat, aber dass es sicher nicht an uns lag.

    Er hatte auch vorher diverse Einzelgespräche mit dem Großen geführt.

    Während der Sitzung rutschte die Erzieherin immer weiter auf ihrem Stuhl runter, als ob sie ein Loch zum Verkriechen suchte.

    Entschuldigt hat sie sich aber nicht.

    Vielmehr hat sie die Situation nur verschlimmert.

    Wir hatten abgesprochen, dass es für den Großen gut wäre, noch ein Jahr im Kindergarten zu bleiben.

    Die Leiterin war allerdings nicht da und die Erzieherin versprach, mit ihr sofort darüber zu sprechen, wenn sie wieder im Hause wäre.

    Dummerweise hatte der Große dann zu diesem Zeitpunkt Probleme mit seinem Asthma und ich war mit ihm nicht im Kindergarten.

    Als wir dann eine Woche später eintrafen, erklärte uns die Erzieherin, dass leider alle Plätze schon vergeben worden seien und mein Großer nicht bleiben könne.

    Allerdings hätten sie einen Platz für ihn in einem anderen Kindergarten gefunden, wo die Gruppe auch kleiner wäre, was für ihn ja förderlich sei.

    Nun, dieser Kindergarten lag zwar auf dem Weg zur Arbeit, aber der Große war nun in eine Gruppe für schwer erziehbare Kinder gesteckt worden.

    So war uns das nicht verkauft worden.

    Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie uns und dem Kleinen zumute war.

    Ändern konnten wir an der Situation leider nichts.

    Diese Erzieherinnen legten uns ans Herz, mit dem Kind zum Sprachtherapeuten zu gehen, weil er das „SCH“ nicht sprechen konnte, und eine Ergotherapie zu machen.

    Letzteres wurde vor Ort durchgeführt, Ersteres konnte bei einem Logopäden neben meiner Arbeit behandelt werden.

    Heute weiß ich: SO EIN SCHWACHSINN!

    Es wäre überhaupt nicht nötig gewesen.

    Durch den Zahnwechsel konnte er das „SCH“ gar nicht richtig aussprechen und die Ergotherapie hätte auch nicht notgetan.

    Natürlich können kleine Kinder Stifte noch nicht optimal halten.

    Aber erstes Kind, keine Erfahrung und Leute quatschen auf dich ein.

    Hört auf euer Bauchgefühl und therapiert eure Kinder nicht kaputt.

    Wir haben so viel durch, dass der Große glaubt, dass etwas nicht mit ihm stimmt.

    Tja, und das ist das Hauptproblem.

    Dann endlich kam er zur Schule.

    Die ersten drei Monate liefen augenscheinlich gut, bis auch von dort ein Anruf kam.

    Ich wurde in die Schule bestellt und sah mich drei Lehrern gegenüber, die mir erzählten, wie kaputt mein Kind doch sei.

    Ich solle mit ihm in ein sozialpädagogisches Zentrum gehen, um festzustellen, ob er ADHS oder Ähnliches hat.

    Ich dachte: Nein, das machst du jetzt nicht. Das bekommst du alleine hin.

    Tja, das zog sich bis zur dritten Klasse.

    Die Lehrerin, die mit mir nicht kooperierte, erzählte mir, dass mein Kind so schlimm sei, dass es mit 14 im Knast landen würde.

    Bitte was?

    Mittlerweile war ich mit ihm mehrfach beim HNO und Kinderarzt, um seine Entwicklung (bis zu dem Zeitpunkt, als ich wieder anfing zu arbeiten, völlig normal – dann ging es körperlich bergab) und sein Hörvermögen untersuchen zu lassen.

    Ebenso bei einer Pädaudiologin und bei einer Psychologin.

    Keiner konnte bestätigen, dass mein Kind krank, dumm oder sonst was war oder ADHS/ADS hatte.

    Das einzige Problem waren seine sozialen Kompetenzen.

    Aber wenn mir immer wieder jemand sagt, wie scheiße ich bin, dann würde ich auch nicht gerne mitmachen wollen.

    Deshalb machten wir auch noch einmal eine Ergotherapie – mit mäßigem Erfolg.

    Die Psychiaterin riet uns zum Schulwechsel, da sie die Hauptproblematik bei der Lehrerin sah.

    Zumal sie auch den Fragebogen der Psychiaterin so ausgefüllt hatte, als ob die Lehrerin selbst ein Kleinkind wäre.

    Einen Schulwechsel wollte der Große aber auf keinen Fall.

    So machte er dann die dritte Klasse nochmal mit einer neuen Lehrerin.

    Plötzlich wurden seine Noten besser.

    Durch gewisse Umstände konnte ich dann auch nicht mehr arbeiten gehen und hatte ihn zuhause unter Kontrolle, was dazu führte, dass sich seine Noten weiter verbesserten.

    Im November letzten Jahres sagte die Klassenlehrerin sogar, es wäre eine Laufbahn auf dem Gymnasium möglich und ob er nicht vielleicht hochbegabt wäre.

    Schwupps – plötzlich vom „Problemkind“ zum „Hochbegabten“.

    Doch seit Dezember änderte sich etwas.

    Seine Neurodermitis wurde wieder schlimmer.

    Wir vermuteten übermäßigen Zuckerkonsum … bis Freitag.

    Am Freitag rief eine Lehrerin an und teilte uns mit, dass der Große die Arbeit verweigert, bockt und dass die Versetzung gefährdet wäre.

    Klatsch! Der nächste Hammer.

    Ich sprach mit der Dame lange und ausführlich, nachdem sie zuvor eine Auseinandersetzung mit meinem Mann hatte.

    Er sagte etwas und sie wurde plötzlich laut.

    Er legte auf.

    Meine Nachforschungen ergaben, dass die Klassenlehrerin seit Dezember krank ist (AHA!) und die Lehrer in der Klasse fluktuieren (AHA!).

    Das waren natürlich DIE Infos.

    DAS führt beim Großen zu Stress.

    Also offensichtlich nicht der Zucker.

    Nachdem die Schulleiterin eingeschaltet wurde, sprach die Lehrerin, die meinen Mann anschrie, plötzlich sehr handzahm mit mir.

    Wir einigten uns auf eine Zusammenarbeit und am Donnerstag habe ich zufällig einen Kontrolltermin beim Psychiater mit ihm.

    Ich hoffe, wir finden eine Lösung, die für das Kind gut ist.

    Das Wochenende bestand nämlich daraus, ihn dazu zu bringen, seine Aufgaben nachzuholen und seine Mappen zu sortieren.

    Es war viel Stress und Gebocke, aber wir haben es geschafft.

    Nun muss er nur noch Lust bekommen, in der Schule wieder mitzumachen.

    Mein Fazit ist auf jeden Fall:
    Hört auf euer Bauchgefühl, therapiert eure Kinder nicht kaputt und versucht, euer Kind nicht beziehungsweise nicht so lange in fremde Hände zu geben.

    Beim Kleinen werde ich das nicht so machen.

    Vormittags Kindergarten okay, aber das war es dann auch.

    Bis dann.


    Reflexion:

    Joar, ich schüttele wieder den Kopf.

    All die oben geschilderten Problematiken sind Anzeichen für ADHS/ASS und niemand hat es erkannt, weil einfach niemand ausreichend geschult war, um so etwas überhaupt zu erkennen.

    Selektiver Mutismus, Overload, Meltdown, Neurodermitis, Safe Food.

    Am Ende war es für das Kind und für mich als Mutter ein Spießrutenlauf.

    Der sozialpädagogische Kindergarten war im Grunde eine gute Idee.

    Kleine Gruppe, weniger Reize – jedoch kein ausreichend geschultes Personal.

    Zweimal kam es zu erheblicher Körperverletzung durch ein Kind in dieser Gruppe.

    Ergotherapie?

    Jein.

    Kann Sinn machen, aber in unserem Fall eher weniger.

    Der Große hat sich beim Schreiben immer sehr verkrampft, sodass die Hand schmerzte.

    Das sind feinmotorische Problematiken, die neurodiverse Kinder oft haben.

    Schreibschrift ging gar nicht, Druckschrift einigermaßen.

    Später habe ich erfahren, dass man mit Hilfe der Schule und eines Kinder- und Jugendpsychiaters über den sozialen Dienst die Erlaubnis zur Nutzung eines Tippgerätes stellen kann.

    Heute werden ja fast generell Tablets in der Schule genutzt, damals war das leider nicht der Fall.

    Ökonomisch schwache Familien können ein Tippgerät vorab auch beim Sozialamt beantragen.

    Zudem besteht die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich bei der Schule zu beantragen, damit das Kind anders bewertet wird.

    Das muss gemeinsam festgehalten werden und lasst euch unbedingt immer eine Durchschrift geben.

    Das Kind zur Oma zu geben, generell so früh abzugeben, war rückblickend ein Fehler.

    Die Klassenlehrerin allerdings war wirklich psychisch krank.

    Die Logopädie war damals tatsächlich obsolet, aber an dem Vorwurf der häuslichen Gewalt war tatsächlich etwas dran.

    Häusliche Gewalt im Sinne von emotionaler und körperlicher Gewalt.

    Ich habe mich damals maßlos geschämt.

    Ich wollte mehrfach aus dieser Situation raus, bin aber geblieben – unter anderem, weil das Kind nicht woanders hin wollte.

    Rückblickend ein großer Fehler, aber ich gab mein Bestes, meinen Großen zu schützen.

    Leider nicht mit einer 100-prozentigen Erfolgsquote.

    Mein Rat an betroffene Menschen:

    Bleibt nicht wegen der Kinder und ihr könnt nicht da heilen, wo ihr verletzt wurdet.

    Der erste Schritt ist der schwerste Schritt: emotional lösen.