Schlagwort: Therapie

  • 02 – Es ist echt schwer…| \o/

    Auch hier handelt es sich wieder um einen fast 10 Jahre alten Beitrag. Ich äußere mich wie beim letzten Mal am Ende wieder in einer Reflexion.


    Hallo  ihr Lieben!

    Der Wirbel um den Großen ist wirklich gerade enorm.

    Nicht nur, dass er u. a. Neurodermitis hat und gerade an Kopf, Hals und Armen weggammelt, um es nett auszudrücken. Nein, es gibt mal wieder Stress mit der Schule.

    Es ist so, dass mein Großer zum „Problemkind“ wurde, als ich wieder anfing, Vollzeit zu arbeiten.

    Das war kein Wunsch von mir, sondern von meinem Mann wegen der ökonomischen Situation.

    Also ging das Kind mit 2,5 Jahren in die Obhut meiner Schwiegermutter. Gut aufgehoben, dachte ich.

    Mein Großer kam dann mit 3 Jahren in einen Kindergarten, der nachmittags noch einen Platz frei hatte. Ab da nahm das Übel seinen Lauf.

    Er wollte nichts mehr essen. Am liebsten nur Pommes, aber das kam bei mir gar nicht infrage.

    Was ich später durch Zufall erfahren habe, war, dass Oma eine Fünf-Tage-die-Woche-Pommeskur durchgeführt hatte.

    Vom Kindergarten wurde ich irgendwann angerufen, ob mein Kind etwas mit den Ohren hätte, er könne nur drei Wörter sprechen.

    Wie bitte?

    Ich verstand das nicht.

    Durch eine günstige Wendung bekam ich dann eine Anfrage meines ehemaligen Chefs, ob ich wieder für ihn arbeiten möchte.

    Dankend nahm ich das Angebot an, da es günstiger lag, es mir dort viel besser gefiel und ich weniger Stunden hatte.

    So kam mein Großer dann in den nächsten Kindergarten bei uns in der Nähe, dafür aber ganztags.

    Es schien auch erst mal alles in Ordnung zu sein und das mit dem Sprechen und Hören war erst mal vom Tisch, da es zuhause keine Auffälligkeiten gab.

    Doch kurz vor dem Wechsel zur Grundschule wurde ich in den Kindergarten zitiert.

    Dort erfuhr ich, dass mein Großer ein „Problemkind“ sei.

    Er würde bei nichts mitmachen, nicht hören und aggressiv werden.

    Die Erzieherin ging sogar so weit, uns zu unterstellen, dass wir häusliche Probleme hätten und mein Mann mich schlagen würde.

    Streits? Ja, die hat ja jeder mal.

    Aber zusammengeschlagen wurde ich bis dahin nicht.

    Dies führte zu einem Gruppengespräch mit einem Psychologen, der feststellte, dass unser Großer zwar ein paar Probleme hat, aber dass es sicher nicht an uns lag.

    Er hatte auch vorher diverse Einzelgespräche mit dem Großen geführt.

    Während der Sitzung rutschte die Erzieherin immer weiter auf ihrem Stuhl runter, als ob sie ein Loch zum Verkriechen suchte.

    Entschuldigt hat sie sich aber nicht.

    Vielmehr hat sie die Situation nur verschlimmert.

    Wir hatten abgesprochen, dass es für den Großen gut wäre, noch ein Jahr im Kindergarten zu bleiben.

    Die Leiterin war allerdings nicht da und die Erzieherin versprach, mit ihr sofort darüber zu sprechen, wenn sie wieder im Hause wäre.

    Dummerweise hatte der Große dann zu diesem Zeitpunkt Probleme mit seinem Asthma und ich war mit ihm nicht im Kindergarten.

    Als wir dann eine Woche später eintrafen, erklärte uns die Erzieherin, dass leider alle Plätze schon vergeben worden seien und mein Großer nicht bleiben könne.

    Allerdings hätten sie einen Platz für ihn in einem anderen Kindergarten gefunden, wo die Gruppe auch kleiner wäre, was für ihn ja förderlich sei.

    Nun, dieser Kindergarten lag zwar auf dem Weg zur Arbeit, aber der Große war nun in eine Gruppe für schwer erziehbare Kinder gesteckt worden.

    So war uns das nicht verkauft worden.

    Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie uns und dem Kleinen zumute war.

    Ändern konnten wir an der Situation leider nichts.

    Diese Erzieherinnen legten uns ans Herz, mit dem Kind zum Sprachtherapeuten zu gehen, weil er das „SCH“ nicht sprechen konnte, und eine Ergotherapie zu machen.

    Letzteres wurde vor Ort durchgeführt, Ersteres konnte bei einem Logopäden neben meiner Arbeit behandelt werden.

    Heute weiß ich: SO EIN SCHWACHSINN!

    Es wäre überhaupt nicht nötig gewesen.

    Durch den Zahnwechsel konnte er das „SCH“ gar nicht richtig aussprechen und die Ergotherapie hätte auch nicht notgetan.

    Natürlich können kleine Kinder Stifte noch nicht optimal halten.

    Aber erstes Kind, keine Erfahrung und Leute quatschen auf dich ein.

    Hört auf euer Bauchgefühl und therapiert eure Kinder nicht kaputt.

    Wir haben so viel durch, dass der Große glaubt, dass etwas nicht mit ihm stimmt.

    Tja, und das ist das Hauptproblem.

    Dann endlich kam er zur Schule.

    Die ersten drei Monate liefen augenscheinlich gut, bis auch von dort ein Anruf kam.

    Ich wurde in die Schule bestellt und sah mich drei Lehrern gegenüber, die mir erzählten, wie kaputt mein Kind doch sei.

    Ich solle mit ihm in ein sozialpädagogisches Zentrum gehen, um festzustellen, ob er ADHS oder Ähnliches hat.

    Ich dachte: Nein, das machst du jetzt nicht. Das bekommst du alleine hin.

    Tja, das zog sich bis zur dritten Klasse.

    Die Lehrerin, die mit mir nicht kooperierte, erzählte mir, dass mein Kind so schlimm sei, dass es mit 14 im Knast landen würde.

    Bitte was?

    Mittlerweile war ich mit ihm mehrfach beim HNO und Kinderarzt, um seine Entwicklung (bis zu dem Zeitpunkt, als ich wieder anfing zu arbeiten, völlig normal – dann ging es körperlich bergab) und sein Hörvermögen untersuchen zu lassen.

    Ebenso bei einer Pädaudiologin und bei einer Psychologin.

    Keiner konnte bestätigen, dass mein Kind krank, dumm oder sonst was war oder ADHS/ADS hatte.

    Das einzige Problem waren seine sozialen Kompetenzen.

    Aber wenn mir immer wieder jemand sagt, wie scheiße ich bin, dann würde ich auch nicht gerne mitmachen wollen.

    Deshalb machten wir auch noch einmal eine Ergotherapie – mit mäßigem Erfolg.

    Die Psychiaterin riet uns zum Schulwechsel, da sie die Hauptproblematik bei der Lehrerin sah.

    Zumal sie auch den Fragebogen der Psychiaterin so ausgefüllt hatte, als ob die Lehrerin selbst ein Kleinkind wäre.

    Einen Schulwechsel wollte der Große aber auf keinen Fall.

    So machte er dann die dritte Klasse nochmal mit einer neuen Lehrerin.

    Plötzlich wurden seine Noten besser.

    Durch gewisse Umstände konnte ich dann auch nicht mehr arbeiten gehen und hatte ihn zuhause unter Kontrolle, was dazu führte, dass sich seine Noten weiter verbesserten.

    Im November letzten Jahres sagte die Klassenlehrerin sogar, es wäre eine Laufbahn auf dem Gymnasium möglich und ob er nicht vielleicht hochbegabt wäre.

    Schwupps – plötzlich vom „Problemkind“ zum „Hochbegabten“.

    Doch seit Dezember änderte sich etwas.

    Seine Neurodermitis wurde wieder schlimmer.

    Wir vermuteten übermäßigen Zuckerkonsum … bis Freitag.

    Am Freitag rief eine Lehrerin an und teilte uns mit, dass der Große die Arbeit verweigert, bockt und dass die Versetzung gefährdet wäre.

    Klatsch! Der nächste Hammer.

    Ich sprach mit der Dame lange und ausführlich, nachdem sie zuvor eine Auseinandersetzung mit meinem Mann hatte.

    Er sagte etwas und sie wurde plötzlich laut.

    Er legte auf.

    Meine Nachforschungen ergaben, dass die Klassenlehrerin seit Dezember krank ist (AHA!) und die Lehrer in der Klasse fluktuieren (AHA!).

    Das waren natürlich DIE Infos.

    DAS führt beim Großen zu Stress.

    Also offensichtlich nicht der Zucker.

    Nachdem die Schulleiterin eingeschaltet wurde, sprach die Lehrerin, die meinen Mann anschrie, plötzlich sehr handzahm mit mir.

    Wir einigten uns auf eine Zusammenarbeit und am Donnerstag habe ich zufällig einen Kontrolltermin beim Psychiater mit ihm.

    Ich hoffe, wir finden eine Lösung, die für das Kind gut ist.

    Das Wochenende bestand nämlich daraus, ihn dazu zu bringen, seine Aufgaben nachzuholen und seine Mappen zu sortieren.

    Es war viel Stress und Gebocke, aber wir haben es geschafft.

    Nun muss er nur noch Lust bekommen, in der Schule wieder mitzumachen.

    Mein Fazit ist auf jeden Fall:
    Hört auf euer Bauchgefühl, therapiert eure Kinder nicht kaputt und versucht, euer Kind nicht beziehungsweise nicht so lange in fremde Hände zu geben.

    Beim Kleinen werde ich das nicht so machen.

    Vormittags Kindergarten okay, aber das war es dann auch.

    Bis dann.


    Reflexion:

    Joar, ich schüttele wieder den Kopf.

    All die oben geschilderten Problematiken sind Anzeichen für ADHS/ASS und niemand hat es erkannt, weil einfach niemand ausreichend geschult war, um so etwas überhaupt zu erkennen.

    Selektiver Mutismus, Overload, Meltdown, Neurodermitis, Safe Food.

    Am Ende war es für das Kind und für mich als Mutter ein Spießrutenlauf.

    Der sozialpädagogische Kindergarten war im Grunde eine gute Idee.

    Kleine Gruppe, weniger Reize – jedoch kein ausreichend geschultes Personal.

    Zweimal kam es zu erheblicher Körperverletzung durch ein Kind in dieser Gruppe.

    Ergotherapie?

    Jein.

    Kann Sinn machen, aber in unserem Fall eher weniger.

    Der Große hat sich beim Schreiben immer sehr verkrampft, sodass die Hand schmerzte.

    Das sind feinmotorische Problematiken, die neurodiverse Kinder oft haben.

    Schreibschrift ging gar nicht, Druckschrift einigermaßen.

    Später habe ich erfahren, dass man mit Hilfe der Schule und eines Kinder- und Jugendpsychiaters über den sozialen Dienst die Erlaubnis zur Nutzung eines Tippgerätes stellen kann.

    Heute werden ja fast generell Tablets in der Schule genutzt, damals war das leider nicht der Fall.

    Ökonomisch schwache Familien können ein Tippgerät vorab auch beim Sozialamt beantragen.

    Zudem besteht die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich bei der Schule zu beantragen, damit das Kind anders bewertet wird.

    Das muss gemeinsam festgehalten werden und lasst euch unbedingt immer eine Durchschrift geben.

    Das Kind zur Oma zu geben, generell so früh abzugeben, war rückblickend ein Fehler.

    Die Klassenlehrerin allerdings war wirklich psychisch krank.

    Die Logopädie war damals tatsächlich obsolet, aber an dem Vorwurf der häuslichen Gewalt war tatsächlich etwas dran.

    Häusliche Gewalt im Sinne von emotionaler und körperlicher Gewalt.

    Ich habe mich damals maßlos geschämt.

    Ich wollte mehrfach aus dieser Situation raus, bin aber geblieben – unter anderem, weil das Kind nicht woanders hin wollte.

    Rückblickend ein großer Fehler, aber ich gab mein Bestes, meinen Großen zu schützen.

    Leider nicht mit einer 100-prozentigen Erfolgsquote.

    Mein Rat an betroffene Menschen:

    Bleibt nicht wegen der Kinder und ihr könnt nicht da heilen, wo ihr verletzt wurdet.

    Der erste Schritt ist der schwerste Schritt: emotional lösen.